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CUT
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Linz UND
Stadtansichten. Fassadenbilder
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Text Timm Starl
Text Lilli Licka
Text Franz Schuh
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Text Lilli Licka   2
Der Wieser Verlag legt heute ein Buch vor, das die Gestaltung des Raumes zum Inhalt hat. Das Druckwerk haben Bauer, konzept und design, gekonnt einfach gestaltet und Franz Schuh schreibt einen hintergründigen Essay über die Frage des Geschmacks mit dem wunderbaren Titel „Scheitern am Schönen“. Der Kerninhalt des Buches CUT sind zweigeteilte Bilder einer versierten Fotografin, Gisela Erlacher, die sich als Architekturfotografin in dem hier ansässigen Kreis (wir befinden uns in den Räumen der IG-Architektur) einen Namen gemacht hat. Dieser Name beruht auf perfekten Fotos von Innenräumen und Bauwerken. Für unser Büro hat sie auch Außenräume präzise ins Bild gerückt. Genauer gesagt: Plätze, Gärten, Parks, Landschaften. Diese professionellen Fotografien geben wieder, was andere bewusst als gesamtes Werk entworfen haben. Das Buch aber enthält Bilder, die ganz andere Werke wiedergeben. Die Fotos sind nicht gemacht, um den gestalterischen Gestus des Architekturbüros oder der Landschaftsarchitektinnen zu präsentieren. Sie sind ohne Auftrag aus eigener Beobachtung, aus eigener künstlerischer Triebkraft entstanden. Für mich geht es bei Gisela Erlachers Bildern überhaupt weniger ums Sehen als ums Übersehen. Fotografin bin ich keine, auch Kunstkritikerin nicht. Deshalb ist meine Auseinandersetzung mit der Fotografie laienhaft. Womit ich mich aber schon lange beschäftige ist die Landschaft, das hier Fotografierte, das Objekt der Auseinandersetzung, der künstlerischen Begierde. Deshalb weiß ich, dass nicht das Sehen sondern das Übersehen ein – vielleicht das – Thema der Bilder ist. Sie zeigen, was uns im Alltag nicht auffällt. Es scheint zufällig, daher unbedeutend und drängt sich nicht ins Bewusstsein. Gisela Erlacher zeigt in diesem Bildband aber durchaus gestaltete Landschaften. Allerdings entspringt die Gestaltung keiner gesamthaften Konzeption. Sie trifft nicht die ‚professionelle Ästhetik’, wie es der Hannoveraner Soziologe Wulf Tessin nennt. Aus- und eindrücklich ist der Formwille der den gezeigten Gestaltungen innewohnt, unterstützt durch einen Hang zum Regelmaß. Deutlich geformt sind Schnitthecken und Einzelbüsche, zumeist immergrüne Thujen. In der Gartenkunst werden solche Formgehölze als Topiarien bezeichnet. Manche Gestaltungen gehen zufällig aus einer Pflegenotwendigkeit hervor: aus der Hecke geschnittene Sitzbänke oder um die Fensteröffnung herum gestutzte Fassadenbegrünungen. Und dann das Regelmaß: Genau und regelmäßig platzierte Einzelelemente, zum Beispiel eine Reihe von Plastikflaschen, zur Rhythmisierung vor eine lange Hecke. Oder gleichmäßig versetzt verlegte Rasenziegel zur Bewältigung des Übergangs von der Wiese zum Weg. Wulf Tessin würde diese Werke dem ‚Laiengeschmack’ zuordnen. Gisela Erlachers Leistung ist nicht nur das Erkennen und die Auswahl der Situationen. Es ist die Genauigkeit. Die Präzision, mit der sie diese Mikrolandschaften – ein Ausdruck der Landschaftsarchitektin und -theoretikerin Stefanie Krebs – abbildet, macht das Gewöhnliche zum Ungewöhnlichen, zum Besonderen. Die Fotografien bestätigen: ‚Spannender als das Spannende ist das Langweilige’. (Konrad Paul Liessmann) Zwei Punkte sind mir noch wichtig: Die Mikrolandschaften sind unbelebt, die Fotos menschenleer. Der gestalterische Eingriff ist aber so präsent, dass sich ganze Lebensgeschichten bei der Betrachtung auftun. Auf Gisela Erlachers Fotografien wird die Präsenz der Abwesenden jedenfalls zu einem wichtigen Teil der Erzählung. Wir lernen aus den Bildern, dass jede Gestaltung Geschichten erzählt. Oder, wie es Georges Descombes, ein von mir sehr geschätzter Landschaftsarchitekt, es ausdrückt: vielleicht sind die Dinge, die wir nicht sehen, die wichtigsten. Und zu guter letzt: Wir wissen: Gestaltung steht in einem engen soziokulturellen Kontext. Es ist daher besonders verblüffend, wenn aus dem hinten im Buch enthaltenen Verzeichnis hervorgeht, wo die Fotos gemacht wurden. Die meisten würde man der niederösterreichischen oder zumindest der österreichischen Vorstadt oder Provinz zuordnen. In Wirklichkeit sind sie in ganz Europa entstanden bis hin zum Bosporus oder sogar zu Tunesien. Ich wünsche Ihnen allen eine gute Reise. Lilli Lička koselicka, landschaftsarchitektur Institut für Landschaftsarchitektur, BOKU Wien