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Text / cut: Failure at the Hands of Beauty / Scheitern am Schönen. Franz Schuh
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 unterGrund,   2001
Fotoessay in: UmBau23 Diffus im Fokus - Focus on Blur
Hrsg. ÖGFA österr. Gesellschaft für Architektur
Abteilung für Architekturtheorie TU Wien
Verlag Anton Pustet Salzburg, München 2007

Galerie Freihausgasse, Villach 2007

Zeitgenössische Fotografie. Neue Positionen aus Österreich.
Museum Moderner Kunst Kärnten, Klagenfurt 2009
kuratiert von Silvie Eigner

Soho in Ottakring. Flüchtig daheim. Wien 2002

Die Ansichten von Innenräumen dieser Serie zeigen klaustrophobische Orte, die der Wahrnehmung normalerweise nicht zugänglich sind. Sie dienen als Lebens - und Aufenthaltsräume für eine zeitlich begrenzten Nutzung:

Zellen verschiedener österreichischer Polizeistationen und Schutzräume. In ihrer banalen Alltäglichkeit beziehen sich diese öffentlichen Örtlichkeiten auf ein charakteristisches Element des Transistorischen, da sie Orte des zeitlichen oder räumlichen Überganges bzw. des Durchganges sind.

Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird weniger auf das Allgemeine der perfekten Arrangements gerichtet, als viel mehr auf das Individuelle, das Störende, das die reine Funktionalität demontiert. Damit werden indirekt auch soziale Aspekte thematisiert, der Blick auf das unspektakuläre Detail der bestechend einfachen Raumkonstruktionen gelenkt.

Petra Schröck



 Text / cut: Failure at the Hands of Beauty / Scheitern am Schönen. Franz Schuh,   2
In artstic terms these pictures are unique without being ostentatious, paradoxically so because they show futile efforts to design an environment strangely with „style“. You see how these efforts to virtually lend an artistic touch to the environment, to add something beautiful to it fail. And this is yet another artistic quality in these pictures: They are many pictures that one can in the end also have viewed as one single image. Erlacher´s Photos remain fascinating beyond interpretation. One could say that the photographed object posseses an aura. Not because they have turned out well. Quite to the contrary, the photographs show a failure at the hands of beauty. The presence of beauty is as intended as the absence of it and Erlacher´s photographs reveal with a degree of objectivity a phenomenology of architectural failure. This shows that taste is something one can disagree with. But the photographer uses neither satire nor polemics as her weapons, she uses a method for her dispute that is best known to us from literature: the quotation. Quoting is an art; it is not a mere reproduction of something that already exists. Erlacher´s method of quoting – her selection of details from architectural calamity – proves it. The ugly rears its head, teaching the viewer amazement over something they have already seen a million times.

Künstlerisch haben diese Bilder Eigenart ohne Gepränge, paradoxerweise, indem sie vergebliche Bemühungen zeigen, eine Umwelt eigenartig, mit "Stil" zu gestalten. Man sieht, wie diese Versuche, einer Umwelt etwas Unverwechselbares, etwas geradezu Künstlerisches, etwas Schönes hinzuzufügen, scheitern – und das ist eine weitere Kunst dieser Fotografien: Es sind viele Bilder, die man am Ende auch als ein Bild gesehen haben kann.

Aber auch jenseits von Erklärungen haben die Fotografien etwas Faszinierendes. Man kann sagen, sie haben eine Aura. Zu ihrer Aura kommen die fotografierten Objekte nicht dadurch, dass sie gelungen sind. Im Gegenteil: Die Bilder zeigen ein Scheitern am Schönen. Das Schöne ist spürbar ebenso beabsichtigt wie im Resultat verfehlt. Erlachers Fotografien stellen mit großer Sachlichkeit eine Phänomenologie des architektonischen Mißglückens dar.

Man sieht, Geschmack ist gerade das, worüber man streiten kann. Aber die Fotografin streitet nicht mit Satire oder Polemik. Sie verwendet in ihrer Auseinandersetzung ein Verfahren, das vor allem aus der Literatur bekannt ist: das Zitat. Zitieren ist eine Kunst, also nicht bloß die Wiedergabe von etwas Vorgegebenem. Erlachers Art des Zitierens, die von ihr gewählten Ausschnitte der architektonischen Misere, machen sie erst deutlich. Eine Ästhetik des Hässlichen tut sich auf und lehrt den Betrachter über das zu staunen, was er selber schon oft genug gesehen hat.

Franz Schuh: Scheitern am Schönen



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